Frage in die Runde:
Wie viele Anläufe soll man unternehmen, um einen eingeschlafenen Kontakt / Freundschaft, wieder aufleben zu lassen?
Situation 1
Wer kennt es nicht?
Man lernt eine neue Person kennen, versteht sich gut, unternimmt einige Zeit immens viel, plaudert bis spät in die Nacht am Telefon über die intimsten Dinge und ist sich sicher: das ist eine angehende Freundschaft!
Schnell werden die ersten Freundschaftsdienste erbracht, es werden eigene Aktivitäten zurückgestellt. Plötzlich merkt man, dass die andere Person sehr “ichbezogen” denkt: “Könntest Du mal für mich…”, “Ich möchte gerne…”, “Also, ich kann nur am…” etc etc.
Das Sprichwort “Eine Hand wäscht die andere” wird durch einen simplen Trick ausgehebelt: “Ach ja, stimmt, ich hatte Dir versprochen, dass…aber an dem Tag kann ich nicht, wie wäre es denn mit DEM Tag? Ach so, ja, stimmt, da hast Du ja keine Zeit…blöd.”
Und irgendwann lässt man es halt einfach sein. Die Telefonate werden weniger, die Treffen bleiben aus, es kommt keine SMS, keine Facebook-Nachricht mehr.
Was bleibt ist ein ungemütliches Gefühl, man fühlt sich leicht verarscht/hintergangen/ausgenutzt. Und man weiß, dass die andere Person das gar nicht so realisiert.
Sucht man den Kontakt, um das klar zu stellen? Oder wartet man darauf, ob nicht der anderen Person ein Lichtlein aufgeht?
Situation 2
Man lernt neue Personen kennen, teils Kollegen, teils Freunde von Freunden. Es sind gemeinsame Interessen da, unternimmt in der Gruppe immer wieder Aktivitäten, trifft sich vielleicht auch im kleineren Kreis ein paar Mal.
Es ist vielleicht keine Freundschaft, mehr eine Bekanntschaft, aber “man ist halt gut bekannt miteinander”.
Das geht eine Zeit X so, und plötzlich fällt einem auf, dass man mit Person A schon länger nichts mehr gemacht hat.
Anruf 1: “Hey, haben ja schon ewig nix mehr voneinander gehört! Hast die Tage mal Zeit?” - “Klar! Cool, freu mich drauf! Ich meld mich, sobald ich weiß, wann`s geht!”
Anruf 2: “Hey, wollte mal nachfragen, wie`s bei Dir die Tage aussieht!” - “Oh, sorry, wollt Dich ja anrufen, habs vergessen, so viel Stress! Die Woche ist schlecht, evtl nächste? Ich meld mich am MO bei Dir!”
Anruf 3: “Hey, heute ist Dienstag, hast Du konkret morgen, am Mittwoch Zeit und Lust was trinken zu gehen?”
Meine Frage: Wann ist`s die Nachfragerei zuviel? Und ab wann muss man akzeptieren, dass das Interesse an einem weiteren Kontakt vielleicht von der Gegenseite gar nicht mehr so groß ist.
Hier kommt der Begriff Lebensabschnittsgefährten auch ins Spiel. Wird das zwar eigentlich auf eine Beziehung/auf einen Partner gemünzt, trifft das aber auf jeglichen sozialen Kontakt zu:
Manche Kontakte bleiben über einen Zeitraum X, manche über einen kürzeren/längeren Zeitraum Y an Deiner Seite. Manchmal verstummt so ein Kontakt und verschwindet leise, langsam, manchmal mit einem lauten Knall und einem Schlag ins Gesicht.
Was am Ende bleibt, bist Du selbst.
Und die Fragen: Warum und “soll ich mich mal melden?”
Eine Antwort auf die Fragen gibt es nicht.
Es ist nämlich der Lauf der Welt.