Gute Frage, nächste Frage.
Ganz einfach: die letzten Monate meines Podcasts “Ein Mensch wie Du und ich - ToHeSeLü” ging mir der Erzählstoff aus, deshalb wurde ich sehr “beruflich-privat”.
Meine Themen drehten sich eigentlich nur über mich als Schauspieler und vielleicht ab und an über eine Meinung, die ich kundtun wollte. Aber den Stand meiner beruflichen Projekte und was ich allgemein so treibe, das kann man ja super auf meiner Homepage und bei Facebook mitverfolgen.
Wer mir bei Twitter folgt, der sieht, dass ich mir daraus einen Spaß mache, Gedankenergüsse oft kindischster Natur ins Netz zu blasen und mir dabei kein Blatt vor den Mund nehme. Diese Hemmschwelle konnte ich im Podcast nicht übertreten, denn dort war ich ja zu hören, mit meiner eigenen Stimme.
Be Brave Be Bold - sei mutig und frech - war eigentlich mein Motto für 2011, und wenn man es genau nimmt, dann habe ich mich nicht getraut.
Statt einer offenen Meinung als ToHeSeLü, die ich sowohl im Blog, Twitter als auch im Podcast vertrete, war ich ein Feigling und “nett und lieb”, obwohl ich eigentlich auch eine bitterböse Seite in mir herumschleppe. Diese findet man gern, oft und reichlich in meinem Twitter-Account.
Ich möchte mich nicht mehr anpassen und den Spagat zwischen Beruf und Internetkram mehr ausleben. Deshalb wird ToHeSeLü ab jetzt auch ein neues Logo bekommen, einen neuen Untertitel und ich werde versuchen, eine große Trennung von Beruf und Privatvergnügen vorzunehmen.
Natürlich werde ich hier und auf Twitter auch über meinen Beruf schreiben, da er ja auch mein großes Hobby ist, aber die Öffentlichkeitsperson “Philipp Wimmer” gibt es eher auf der Homepage und bei Facebook (siehe oben).
Nun zum Podcast:
“Gibtst Du nach über 3 Jahren tatsächlich das Podcasten auf?”, wurde ich in den letzten 3 Wochen sehr häufig gefragt.
Als ich vor 18 Tagen meinen “letzten Podcast” auf Audioboo gestellt habe, dachte ich an die ersten Folgen, damals noch bei Podhost gehostet, zurück, sowie an die vielen vielen Podcast- und Blogprojekte, die ich gestartet und einschlafen hab lassen (u.a. “The reActors”, Fünf-Sterne-Fleischer Fleischhauer, Audiobuam, Onkel Tripper, Projekt Hamlet).
Ausserdem kamen mir andere Podcaster in den Sinn, die teilweise im Dreitagesrythmus neue Projekte auf den Markt schmeissen, nur um eine größere Hörerschaft zu gewinnen (und daran scheitern - an dieser Stelle einen ganz besonderen Dank an @tackleman121 und @der_sema, die diese immer wieder finden :)
In der Podcast-Szene gibt es mittlerweile 4 Lager, die sich immer mehr herauskristallisiert haben, und die die Szene auch ziemlich spalten.
Zu einen die “professionellen” Formate von Großkalibern wie @holgi & @timpritlove, die über Radio- und Medienerfahrung verfügen und eine Qualität aufweisen, die nichts mehr mit dem ursprünglichen Podcasting zu tun hat. Das ganze geht in Richtung “Talkshow”, und viele andere wie @alexwunschel, @mikrodilletanten etc. orientieren sich an diesem Format.
Dann gibt es die “Frechen” wie @der_Bastard und @Fahrenheit404, die sich nichts scheissen und einfach ihre Meinungen ins Netz blasen und damit auch gern anecken. Es ist zum Teil “echt” und “persönlich” auf der anderen Seite eine eigene Kunstform. Vorreiter war wohl “Die Hoppe Show”, die es leider nicht mehr gibt.
Dann haben wir da noch die “Tagebuch”- oder “Private Podcasts”, wie “Schlaflos in München” von @annikrubens, das Frettchen von @uwebaltner und auch den grandiosen Fressefreiheit der @linamadita, die man auch eher zu den “Frechen” zählen sollte.
Und dann wären da noch die Öffentlich-Rechtlichen, die ihre Sendungsinhalte ins Netz stellen. Tolle Sache, aber auch das würde ich nicht als Podcast bezeichnen.
Klar, es gibt viele viele Unterarten und Kategorien im Podcast-Genre, aber meine Aufteilung ist die oben genannte.
Ich hatte “ToHeSeLü” damals als Comedy- und Personal-Podcast angelegt, dann im Laufe der Zeit immer wieder neu erfunden und irgendwann war es halt ein “Personal Podcast”, in denen Privatperson und Schauspieler Philipp Wimmer über sich und seinen Alltag erzählt hat. Und das birgt Risiken, auf seine ganz eigene Art und Weise, wie ich erfahren musste.
Deshalb habe ich beschlossen, diesen Podcast einzustampfen. Schluss mit dem privat-persönlichen, mit den “Was ich gerade mache und wie es mir dabei geht”-Geschichten.
Back to the roots!
Seit ich bei Audioboo hoste habe ich oft gehört: “Hä, das ist doch kein Podcast, ein Boo ist ein Boo, aber kein Podcast”. Andere Podcaster, die wie ich Audioboo benutzen, beginnen ihre Folgen immer mit “Herzlich willkommen bei einer neuen Folge hier bei Audioboo” und klammern den “Podcast” aus.
Eigentlich quatsch, denn Audioboo bietet das gleiche, was jeder andere Podcast-Hoster auch bietet, nur bequemer (meiner Meinung nach): ich kann über die Seite Dateien hochladen, ich kann dort gleich die Eintragung in iTunes vollautomatisiert vornehmen lassen, und ich kann unterwegs Folgen ins iPhone sprechen und sofort zu Audioboo hochladen. Ausserdem sieht es schick aus!
Dass die Podcast-Szene Audioboo nicht als “Podcast-Format” angenommen hat liegt wohl eher an der (eigentlich) geringen Aufnahmezeit von 3-5 Minuten pro “Boo”/”Folge”. Ja, das ist in der Tat nicht so toll, v.a. wenn man viel zu erzählen hat. Glücklicherweise ist/war Audioboo so kulant und hat auf nette Anfrage etlichen Usern mehr Kontingent zur Verfügung gestellt. Ich habe somit 30 Min pro Folge, und das sollte definitiv reichen!! Mehr hört doch eh kein Mensch am Stück!
Also, ich habe einen “Podcast”, den es seit 3 Jahren gibt, der eine gewisse Hörerschaft hat, ich habe etliche Follower bei Twitter, ich habe mit Audioboo einen Hoster, der mir viel Freiheiten gibt und für meine Bedürfnisse absolut perfekt ist.
Aber ich habe keine Inhalte mehr.
Oder?
;-)
Nachdem Audioboo ja nicht als Podcast akzeptiert wird, mache ich auch keinen Podcast mehr.
Aber ihr werdet mich nicht los, definitiv nicht. Dann gibt es halt Audio-Kommentare vom lieben Philipp. Und das in einer anderen Art und Weise, als bisher gewohnt.
Bis es soweit ist, wird noch einige Zeit ins Land gehen.
Viele von Euch waren bereits so cool und haben mir den Satz “Achtung, Achtung: Dies ist kein Podcast” eingesprochen und als Audiofile geschickt!! Wer noch Lust hat, sich in das neue Projekt einzubringen, der darf mir gern was schicken, ich freu mich über jedes Intro (mail@toheselue.com)
Hey, schön, dass Ihr da seid, mir zuhört, hier lest und bei Twitter folgt.
Im Web 2.0 hab ich viel gefunden und erlebt, und das will ich nicht missen.
Euer ToHeSeLü,
zuckersüss und bitterbös